
Willinger Runde – Jenseits vom Sauerland
Die traumhafte Willinger Runde startet mitten im stets gut besuchten Partyort, und zwar am Abzweig von der B 251 zum Diemelsee. Zunächst folgt man allerdin
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Der Motorrad-Guide im Sauerland: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.
Das Sauerland ist eine Mittelgebirgsregion im südöstlichen Nordrhein-Westfalen, die mit einem schmalen Streifen nach Nordwesthessen hineinreicht. Naturräumlich bildet es den nordöstlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Grob umrissen begrenzen es im Norden Möhne und Ruhr, im Süden riegelt der langgezogene Kamm des Rothaargebirges die Region gegen das benachbarte Bergland ab, und die Ostkante fällt mit der Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen zusammen. Für das Motorradfahren zählt weniger die exakte Abgrenzung als das, was dazwischen liegt: ein dichtes Netz aus Landstraßen über bewaldete Höhenzüge, durch die Täler von Ruhr, Lenne, Möhne, Bigge und Diemel und über Kuppen, die vielerorts die 700-Meter-Marke überschreiten.

Der Höhenschwerpunkt liegt im Osten, im Rothaargebirge. Hier steht mit dem Langenberg (843 m) bei Niedersfeld der höchste Berg Nordrhein-Westfalens, dicht gefolgt vom bekannteren Kahlen Asten (841 m) über Winterberg. Der Kahle Asten ist zugleich der höchste per Asphaltstraße erreichbare Punkt des Landes — ein Detail, das die Gegend für Kurvenfahrer mitprägt, weil der Weg dorthin über einen ganzen Fächer hoch gelegener Straßen führt. Der geläufige Beiname „Land der 1000 Berge" ist zwar Tourismus-Sprache, trifft die Fahrpraxis aber gut: Lange Geraden sind hier die Ausnahme, der ständige Wechsel aus Anstieg, Kammfahrt und Talabfahrt die Regel.
Den Streckencharakter macht diese Mischung aus. Ein Teil der Strecken ist schnell, übersichtlich und gut ausgebaut, mit flüssigen Radien, die sich über offene Hochflächen ziehen. Ein anderer Teil ist schmal und unübersichtlich, mit dem Charakter eines befestigten Wald- oder Feldwegs, der sich eng an Hangkanten entlangschraubt. Weil das Netz aus Neben- und Verbindungsstrecken so eng geknüpft ist, lässt sich eine Runde nach Fahrkönnen, verfügbarer Zeit und Wetter zusammenstellen, ohne zweimal dieselbe Straße zu fahren. Der Belag ist auf den Hauptachsen überwiegend gut, wird auf den kleinen Kreisstraßen aber ruppiger, und die enge Staffelung von Anstieg und Gefälle verlangt einen anderen Fahrrhythmus als das lange Ausrollen im Flachland. Genau diese Dichte auf kleinem Raum ist es, die das Sauerland von weniger verwinkelten Mittelgebirgen unterscheidet.
Einige Achsen tauchen in fast jeder Tourenplanung auf. Die Hochsauerland-Höhenstraße ist eine rund 102 Kilometer lange Route, die Schmallenberg, Winterberg und Medebach durch den Naturpark Sauerland-Rothaargebirge verbindet und dabei den charakteristischen Wechsel aus offenen Kuppen und dichten Waldpassagen abfährt. Die B236 zwischen Schmallenberg und Winterberg gehört zu den bekanntesten Höhenstrecken der Region. Über die B480 läuft der Verkehr durch Winterberg Richtung Willingen und Brilon, die B229 begleitet die Möhne im Norden, und im Süden queren B54 und B55 zwischen Olpe und Attendorn das Bigge-Tal. Dazu kommen die Talstraßen, die den Flüssen folgen — entlang von Ruhr und Lenne ziehen sich lange, fließende Verbindungen durch die mittleren Lagen. Zwischen diesen Bundes- und Talstraßen liegt das eigentliche Revier: die unzähligen Land- und Kreisstraßen, die die Ortschaften über die Höhen verbinden und auf denen sich die eigentliche Streckenauswahl abspielt.

Auffällig ist die Kette künstlicher Seen, an denen sich Touren geradezu auffädeln lassen. Möhnesee, Sorpesee, Hennesee, Biggesee mit der vorgeschalteten Listertalsperre und der Diemelsee sind allesamt Talsperren und keine natürlichen Gewässer; die meisten davon werden vom Ruhrverband bewirtschaftet und dienen in erster Linie der Trinkwasserversorgung des Ruhrgebiets. Für Fahrer sind sie feste Orientierungspunkte: Ihre Uferstraßen und Staumauern strukturieren die Landschaft, geben einer Runde einen roten Faden und liefern die weiten Blicke, für die man ohnehin einmal anhält. Der Möhnesee im Norden ist mit rund zehn Quadratkilometern Wasserfläche der größte von ihnen, der Biggesee im Süden die größte Talsperre des Sauerlands nach Stauvolumen.
Das Fahrgefühl unterscheidet sich zwischen den Teilräumen deutlich. Im Hochsauerland um Winterberg, Schmallenberg und Medebach sind die Straßen weiter, die Radien länger, die Fernsicht von den Kammlagen reicht bei klarem Wetter über viele Höhenzüge hinweg. Im westlichen Sauerland, im Ebbegebirge um die Nordhelle (663 m) im Märkischen Kreis, wird das Terrain enger und verwinkelter, die Kurven folgen dichter aufeinander, der Wald steht näher an der Fahrbahn. Dazwischen liegen die mittleren Lagen um Meschede, Arnsberg und Sundern, in denen sich Talfahrten entlang der Flüsse mit kurzen, kräftigen Anstiegen abwechseln. Wer beides an einem Tag will, kombiniert die weiten Höhenzüge im Osten mit den engen Passagen im Westen.
Zum Wetter gehört die Höhenlage dazu. Die oberen Lagen des Rothaargebirges sind kühler und niederschlagsreicher als das umliegende Flachland, weshalb Winterberg im Winter ein Wintersportort ist. Für das Motorrad: Die Saison läuft im Kern von Frühjahr bis Herbst, und auf den Höhen kann es auch im Sommer frischer und feuchter sein als im Tal. Umgekehrt sorgt dieselbe Lage nach durchziehenden Regenfronten oft für ungewöhnlich klare Fernsicht von den Kuppen. Mit eingeplanten Höhenmetern und einem Blick auf den Wetterbericht für die Kammlagen findet man über weite Teile des Jahres gut fahrbare Bedingungen vor.

Was das Revier ausmacht, ist am Ende diese Verbindung: viel Abwechslung auf kurzer Distanz, echte Höhenmeter statt sanfter Hügel und ein Straßennetz, das für schnelle wie für ruhige Runden taugt. Hinzu kommt die kurze Anfahrt aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland, die das Sauerland zum nächstgelegenen Kurvenrevier für einen großen Teil Westdeutschlands macht — ein Grund, warum es unter Fahrern seit Jahrzehnten einen festen Platz hat.
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