Uferstraßen: was die Talsperren mit der Linienführung machen
Die großen Seen des Sauerlands sind Bauwerke, und das prägt jede Runde an ihnen. Ein Stausee füllt ein verzweigtes Bachtal, deshalb folgt die Uferstraße der alten Talform statt einem gleichmäßigen Rund: Sie holt in jede Seitenbucht aus, quert am Talschluss den zufließenden Bach und kommt auf der Gegenseite wieder heraus. Für den Fahrrhythmus bedeutet das ständigen Richtungswechsel bei geringem Höhenunterschied — enge Bögen in den Buchten, kurze zügige Stücke auf den vorspringenden Rücken dazwischen. Aus den Höhenlagen kommend stellt man sich hier von Anstieg und Abfahrt auf flaches Kurvenfahren um.

Nicht jedes Ufer ist durchgehend Straße. An manchen Abschnitten liegt nur ein Wander- und Radweg am Wasser, sodass die Fahrstrecke über die Hangkante ausweichen muss — mit dem Nebeneffekt, dass der See von oben besser zu sehen ist als von der Wasserlinie aus. Staumauern und Vorsperrendämme sind die kurzen Querungen im System: schmal, oft mit Fußgängerbetrieb, Kopfsteinabschnitten oder Bodenwellen an den Übergängen, und im Sommer voller Menschen, die dort stehen bleiben.
Zur Anlage gehört der schwankende Wasserstand. Wird im Spätsommer oder in Trockenjahren abgelassen, liegt ein breiter kahler Streifen zwischen Wasser und Bewuchs frei, an der Stauwurzel schaut der ursprüngliche Bachlauf heraus. Wer die Seen über Jahre anfährt, sieht sie in sehr unterschiedlichen Zuständen.
Auch die Baugeschichte ist unterwegs präsent. Die Möhnetalsperre wurde im Mai 1943 durch einen britischen Luftangriff gebrochen; die Flutwelle im Möhne- und Ruhrtal forderte weit über tausend Menschenleben, die Sorpe wurde beim selben Angriff beschädigt, aber nicht durchbrochen. Für den Bau der Biggetalsperre Mitte der 1960er-Jahre mussten Ortslagen weichen, Bahn- und Straßentrassen wurden neu über Talbrücken gelegt — die geraden, breiten Anfahrten dort sind Ergebnis dieser Verlegung und passen deshalb kaum zum sonstigen Straßenbild der Region.
Die großen Talsperren-Seen und ruhige Pausenplätze
Zwischen den Kurven liegen große Stauseen, weite Wälder und die höchsten Erhebungen Westfalens. Zum Anhalten gibt es fast überall einen Platz – Uferparkplätze an den Seen, Aussichtsstellen entlang der Höhenstraßen, Stellflächen an den Staumauern.
Die großen Talsperren-Seen
Fünf große Seen prägen die Region. Der Biggesee (mit dem angeschlossenen Listersee) ist mit rund 8,76 km² eine der größten Talsperren Deutschlands. Größer ist im Sauerland nur der Möhnesee im Norden, dessen Staumauer (rund 40 m hoch, etwa 650 m lang) das Wahrzeichen der Region ist. Der Sorpesee ist mit bis zu rund 70 Metern der tiefste See der Region. Dazu kommen der Hennesee bei Meschede und der Diemelsee im Südosten, die kleinste der großen Sauerland-Talsperren. Die Uferstraßen sind oft kurvig und landschaftlich reizvoll; Pausenplätze, Gastronomie und Parkflächen gibt es an allen großen Seen reichlich. Schiffsrundfahrten verkehren saisonal von April bis Oktober.
Als Pausenpunkte abseits der bekannten Hotspots eignen sich die ruhigeren Ufer von Hennesee und Diemelsee, die Aussichtsplätze entlang der Höhenstraßen rund um Winterberg sowie die Stell- und Wanderparkplätze im Arnsberger Wald – meist mit Bänken, oft mit Infotafeln und ohne den Andrang der großen Ziele.